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Mit Fahrrad und Zelt von Pori nach Vaasa

Sonnenuntergang am Campingplatz Vaasa

Sonnenuntergang am Campingplatz Vaasa

Es beginnt mit PoriJazz

Am Freitag, den 19.7.2002 treffen wir mit dem Zug von Tampere gegen 16 Uhr in Pori ein. Pori oder schwedisch Björneborg liegt an der Mündung des Kokemäki, der einen guten Teil der Region Tampere entwässert. Karte

Am berühmtesten ist Pori natürlich wegen des seit 36 Jahren regelmäßig Mitte Juli stattfindenden Jazz-Festivals. In den letzten Jahren ist PoriJazz immer mehr dazu übergegangen, neben reinem Jazz auch verwandte, innovative populärmusikalische Formen zu repräsentieren. Das allabendliche Hauptkonzert findet auf der im Stadtzentrum gelegenen Kirjuri-Insel statt, doch verschiedene kleinere Konzerte locken die Besucher von mittags bis spät nachts. Das berühmteste Lokal, Café Jazz, in der Mitte der Strandpromenade Jazzstraße gelegen, ist immer schon Wochen vorher ausgebucht. Dieses Jahr wurden 66000 Eintrittskarten verkauft, es gibt aber auch zahlreiche kostenlose Konzertdarbietungen.

Jazzstraße in Pori
Die Jazzstraße am Café Jazz

Nach einem Freikonzert auf der DNA-Bühne (Frans Wieringa Trio) am Ende der Jazzstraße treffen wir unsere Freunde, die uns für das Wochenende in ihr angemietetes Ferienhaus außerhalb Poris eingeladen hatten. Weil es dorthin gut 30 km Fahrt ist, müssen wir auf den Rest des Jazzabends verzichten, sondern steigen auf den Fahrradsattel und steuern in den dunkelnden Abend hinein, Richtung Reposaari an der Küste.

An der Abzweigung der Inselstraße bei Yyteri befindet sich einer der größten finnischen Windparks. Die Repo-Insel liegt ganz am Ende der Inselstraße und ist einer der seltenen Plätze des äußeren Schärengürtels, der mit Fahrzeugen erreichbar ist. Nur an wenigen Stellen nämlich hat man in Finnland ungehindert Aussicht auf die Ostsee, ohne dass entfernte Schären den Horizont verdecken!

Unser Wochenenddomizil gehört zum Campingplatz Reposaari. Normalerweise ist es hier sehr ruhig, doch diesmal hatte ein Motorclub (Van & Truck Club Finland VTCF) den ganzen Platz gemietet! Doch unsere Befürchtungen erwiesen sich als grundlos, es handelte sich um ganz normale Familien, deren Gemeinsamkeit die Liebe zu amerikanischen Wohnmobilen ist. Karte von Reposaari

Noch etwas ist ungewöhnlich: unsere Freunde, die jedes Jahr hier ihren Jazzurlaub verbringen, schwören, noch nie zuvor seien der Wind so schwach und das Ostseewasser so warm gewesen wie dieses Jahr. Normalerweise gehen die Wellen so hoch, dass Baden unmöglich ist, doch dieses Wochenende ist die Ostsee wie eine Badewanne!

Am nächsten Tag regnet es von morgens früh. Wir fahren zum Dorf Reposaari und bestaunen das neue Restaurant hinter der Kirche. Dann geht's mit dem Auto nach Pori. Der Regen lässt nicht locker, und wir bezweifeln, ob wir Lust haben, für das Konzert auf der Kirjuri-Insel 42 Euro auszugeben und dort 6 Stunden im Regen zu sitzen. Es spielen dort unter anderem die Mingus Bigband, Deodato und Elvis Costello. Lieber gehen wir erst ins Kino und dann zu einem Gratiskonzert. Doch erst muss ein Sportgeschäft gefunden werden, denn ich hatte gestern in der Eile meinen Fahrrad-Schutzhelm im Büro vergessen und Ullamaija schwört, dass aus der Fahrradtour nichts wird ohne Helm. Wir finden einen rotschwarzen Helm für 33 Euro, der dazu viel leichter ist und besser sitzt als mein alter.

Im Kino geht "The Boy" mit Hugh Grant. Um 17 Uhr, nach Beginn des Gratiskonzerts des Martin Reiter Trios, hört der Regen langsam auf. Auf der Jazzstraße hört man gut die Lautsprecher des Hauptkonzertes. Später stoßen die Freunde auf uns und wir fahren zum Abendmahl zur Repo-Insel.

Am nächsten Tag, Sonntag, scheint die Sonne. Unsere Freunde heute ziehen mit Sack und Pack weiter, doch wir werden die nächste Nacht noch hier im Zelt verbringen. Bevor wir uns nach Pori aufmachen, schauen wir uns die endlosen Dünen von Yyteri an.

Yyteri
Yyteri am Sonntagnachmittag: leer!

Unser Jazz-Wochenende endet im altehrwürdigen Café Jazz, wo Ted Curzon mit Freunden eine Jamsession veranstaltet. Ted ist seit Anbeginn, dieses Jahr also schon zum 37. Male mit dabei bei PoriJazz!


Nach Norden

Das Morgenrot verheißt uns einen regnerischen Tag, doch die Wetterkarte der Morgenzeitung gibt sich optimistisch. Wir brechen unser Zelt ab und packen. Nachdem die Wohnmobilisten den Platz verlassen haben, ist es still geworden. Kurz vor der Abzweigung der Inselstraße (Vaasa 199 km) fängt es an zu regnen. Wir ziehen unsere wasserabstoßenden Jacken an und fahren weiter. Gegen Mittag in Ahlainen machen wir Pause. Im Dorfladen versehen wir uns mit Äpfeln und Keksen und setzen uns zum Imbiss auf die Stühle unter dem vorstehenden Dach. Es regnet nun in Strömen. Bei unseren früheren Radtouren hatte uns der Wettergott verwöhnt, und die Aussicht, eine Regenwoche auf dem Fahrradsattel zu verbringen, lockt nicht besonders. Die Wetterkarte der Machmittagszeitung hat keine Ahnung von der wirklichen Wetterlage.

Kurz vor Ahlainen hatten wir eine Werbetafel für ein Gutshofrestaurant gesehen, Entfernung 12 km. Wir wollen uns mit einem Mittagsmahl Mut holen und setzen die Fahrt fort. Doch nach 12 km stellen wir fest, dass es sich um ein Bestellrestaurant handelt, also wird es nichts mit der Mahlzeit. Jetzt sind wir schon so weit von Pori, dass umkehren nicht mehr lockt. Verbissen treten wir in die Pedalen und setzen unsere Hoffnung auf Merikarvia mit seinem Campingplatz. Durch unsere nassen Brillengläser sieht man kaum etwas, doch ist hier kaum Autoverkehr. Nach dem Zustand der Straße zu urteilen hat diese Gegend keine Fürsprecher im Straßenbauamt!

Obwohl die Straße dicht an der Küste entlang führt, ist nirgendwo die Ostsee zu sehen. Dafür macht sich deren Nähe durch Möwen bemerkbar, die hier anscheinend die Krähen verdrängt haben. Auf manchen Dachfirsten sitzen die Möwen dicht wie Spatzen, und auf dem Sportplatz von Merikarvia stolzieren hundert von ihnen umher und lassen sich die fetten Regenwürmer schmecken. Leider regnet es zu stark, als dass ich die Kamera aus der Tasche ziehen möchte.

Mericamping bei Merikarvia begrüßt uns dann auch mit den ersten Sonnenstrahlen und erweist sich als schöngelegene Anlage mit gutem Service. Wir mieten uns eine Hütte (33 Euro/Ü) und fühlen uns bald pudelwohl. Die Strandsauna lässt die Regenkilometer schnell vergessen. Unsere Regenjacken haben überraschen gut dicht gehalten, nur meine ledernen Sandalen haben sich voll Wasser gesaugt und fühlen sich eiskalt an.


Zweiter Tag

Schönstes Sommerwetter. Der Wetterbericht verheißt für den Nachmittag Schauern, deshalb beeilen wir uns und sind schon um halb Zehn unterwegs. Im Zentrum von Merikarvia kaufen wir Proviant ein und fahren auf der Küstenstraße weiter. Ein Camper, der gestern von Norden her angekommen war, hatte berichtet, dass es in Sideby, entgegen den Angaben der Fahrradkarte, keinen Laden gibt. Unser Ziel ist Kristinestad.

Unterwegs halten wir Ausschau nach einem original zweistöckigem Bauernhaus, den die Provinz Bottnien ist bekannt für ihre standesbewussten Bauerngeschlechter. In ein zweistöckiges Haus zu heiraten war der Traum jedes Mädchens, dass das Pech hatte, in einem einstöckigen Haus aufwachsen zu müssen. Gestern im Regen hatten wir kaum etwas von der Gegend gesehen. Offensichtlich haben die Recht, die die Ordnungsliebe der Westfinnen rühmen. Nirgendwo liegt Gerümpel herum wie oft in den Dörfern Ostfinnlands, und statt Garagen und Scheunen aus Wellblech sieht man hier nur schmucke, rotgetünchte Holzgebäude im traditionellen Stil mit weißen Fensterrahmen, doch zweistöckige Bauerngüter haben wir nirgendwo gesehen auf der ganzen Fahrt.

Vaivaisukko
Vor der Kirche von Sideby steht noch einer der originellen finnischen Opferstöcke, die den Kirchgänger an das Elend der Armen und Gebrechlichen erinnerten

Etwa 30 km vor Kristinestad holen uns die Regenwolken ein, die sich schon eine Weile hinter uns aufgetürmt hatten. Ganz hier in der Nähe wäre die berühmte Wolfshöhle von Karijoki zu besichtigen - wenn sie zu besichtigen wäre. Doch leider ist sie für Nichtarchäologen gesperrt. In der Höhle sind im letzten Jahrzehnt Funde gemacht worden, die darauf schließen lassen, dass dort schon vor 120 000 Jahren Werkzeuge benutzt und Feuerstellen unterhalten wurden. Der bisher einzige Platz der Erde, wo solche Spuren den Eiszeiten getrotzt haben. Ein Artikel einer lokale Zeitung behauptet, ein ansässiger Amateur habe jahrelang erfolglos die Verantwortlichen des Museumsamtes in Helsinki für die Höhle interessieren versucht, doch niemand glaubte seinen Berichten über Faustkeile und Feuerstellen. Erst 1996 gelang es, den Prähistoriker Dr. Hirvas zu einem Besuch der Höhle zu bewegen. Dann kam der Stein ins Rollen, und heute nimmt das Museumsamt natürlich alle Verdienste für sich in Anspruch.

Pudelnass kommen wir in Kristinestad an. Das Marina-Café ist unsere erste Zuflucht. Wieder ist an Zelten nicht zu denken, sondern wir mieten ein Häuschen, diesmal sogar mit Fernseher.

Café Marina
Café Marina in Kristinestad, Zufluchtstädte der regennassen Radler

Kristinestad ist eine der kleinen Küstenstädte, die ihre historischen Stadtkerne mit den gemütlichen Holzhäusern bewahrt haben. Der Kirchturm der alten Kirche ist einer Interpretation zufolge deshalb schief, weil er so besser dem ständigen Wind trotzen kann. Andere behaupten, er habe sich aus baulicher Schwäche dem Wind geneigt.

Kirche Ulrika Eleonora
Die Kirche Ulrika Eleonora in Kristinestad aus dem 17. Jahrhundert ist berühmt für ihren schiefen Turm

Dritter Tag

Am nächsten Morgen warten wir einen Regenguss ab und ziehen erst dann weiter, als die Sonne die Wolken vertreibt. Fortan haben wir vor Regen Ruh', sogar so gründlich, dass wir erst fünf Wochen später, Ende August, die nächsten Regentropfen sehen.

Unsere erste Etappe ist Närpiö, bekannt für seine Kirchenställe. So viele hölzerne Pferdeställchen stehen um die Kirche in Reih und Glied, dass man einen Hubschrauber bräuchte, wenn man sie alle fotografieren möchte. Danach geht es schnurgerade weiter, zwanzig Kilometer ohne Kurve und ohne irgendwelche Steigung, quer durch die bottnischen Felder, das Scheunenmeer, wie es früher genannt wurde, als das Heu noch in Scheunen statt in Plastikballen gelagert wurde.

Närpiö Kirche
In Närpiö sind als einziger Ort in Finnland noch die Kirchenställe erhalten, wo die Kirchgänger während des Gottesdienstes ihre Pferde unterstellten

Bis Vaasa ist es uns zu weit, nach 110 km reicht es uns und wir begeben uns zum Campingplatz von Åminne an der Küste. Den Abend verbringen wir am Grillfeuer und schlafen im Zelt.

Vierter Tag

Am Morgen schauen wir uns das schmucke Heimatmuseum von Åminne an. Bis Vaasa ist es nur zwei Stunden Fahrt. Der Campingplatz hier gehört zum Topcamping-Ring und ist gut besucht. In nächster Nähe liegen Vaasaland, der Kindervergnügungspark, und das Funbad Tropiclandia. Finnische Familien mit Kindern kommen kaum umhin, jeden Sommer wenigstens ein oder zwei der Kinderparadiese zu besuchen, und die zugehörigen Campingplätze sind entsprechend ausgestattet. Bis Sonnenuntergang um halb Elf vergnügen sich die Kleinen unermüdlich in Hüpfburgen und Trampolinkonstruktionen.

Kirche Korsholm
Ein Barockschloss beherbergt die schönste Kirche der Region Vaasa

Am Nachmittag statten wir den Ruinen des Alten Vaasa einen Besuch ab. Die Stadt wurde am 3. August 1852 von einer Feuersbrunst total zerstört und auf Ukas des russischen Kaisers rund 10 km weiter westlich neu aufgebaut. In der Nähe der Ruinen liegt in einem Park die Kirche von Korsholm.

Marktplatz Vaasa
Das Zentrum von Vaasa ist der Marktplatz mit seinem klobigen Monument für die Sieger im Bürgerkrieg 1918

Fünfter Tag

Den nächsten Tag verbringen wir in Vaasa. Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten abgeklappert und im Handwerksshop einige Andenken erstanden haben, ist Tropiclandia an der Reihe. Dieses Bad ist von dem in Naantali kaum zu unterscheiden. Trotz der strahlenden Sonne geht ein scharfer, kühler Wind, der das Sitzen in Liegestühlen im Freien vereitelt. Vor dem Schlafengehen sehen wir uns den Mondaufgang vom Ufer vor dem Hotel Rantasipi an.

Brücke Raippaluoto
Die kolossale Brücke zur Raippaklippe ist über 1 km lang, Finnlands längste Brücke!

Sechster Tag

Wir weichen vom ursprünglichen Plan ab. Statt weiter zu radeln bis Kokkola wollen wir heute die von der Radkarte ausgewiesene Rundfahrt um das Raippaluoto-Archipel unternehmen und morgen heimreisen. Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, 300 km zu fahren, doch der Entfernungsmesser zeigt jetzt schon 350 an.

Raippaluoto ist seit einigen Jahren mit dem Festland durch eine mächtige Hängebrücke verbunden. Die dahinterliegende Inselwelt war von historischer Bedeutung. Nirgendwo sonst ist es so leicht, den Bottnischen Meerbusen nach Schweden hinüber zu überwinden. Während des Ersten Weltkrieges, als die See zugefroren war, verließen Hunderte von jungen Männern ihre Heimat, begaben sich über Schweden nach Deutschland und nahmen auf deutscher Seite am Krieg gehen Russland teil. Im Bürgerkrieg 1918 gab diese Kriegserfahrung der "Jäger" den Ausschlag zugunsten der bürgerlichen Kräfte. Die Jäger bildeten die Keimzelle der Armee des unabhängigen Finnlands. 1939/40 wiederum erhielt Finnland über die Eisstraße von Raippaluoto wichtige materielle Hilfe während des Winterkrieges.

Nach gut 50 km kommen wir am Strand der Insel Björköby an und werden im Café belehrt, dass die auf der Karte eingezeichnete Fährverbindung schon seit Jahren nicht mehr existiert. Für Fußwanderer besteht die Möglichkeit, sich mit zwei Fischerboten zur Hauptinsel übersetzen zu lassen, doch mit Fahrrädern sei die Strecke nicht zu bewältigen. So bleibt uns nichts anderes übrig als kehrt zu machen und die selbe Strecke zurück zu fahren. Die Kirche von Raippaluoto zeichnet sich dadurch aus, dass das ganze Kirchenschiff schief steht. Drinnnen fühlt man sich wie seekrank!

Angler
Angler auf Raippaluoto

Siebter und letzter Tag

Schon früh am Morgen ist es sehr heiß. Wir fahren von Vaasa mit dem Bummelzug nach Seinäjoki, essen dort zu Mittag und schauen uns die Gebäude an, die dort nach den Plänen Alvar Aaltos entstanden sind und fahren dann nach Hause.

Bilanz: das flache Land und ständiger Rückenwind machten uns ohne Willen zu Kilometerfressern. Der Küstenabschnitt zwischen Vaasa und Oulu steht uns für nächstes Jahr bevor.

 

Fotos und Text Copyright © 2001-2009 Übersetzungsdienst Heinrich Pesch, Finnland