Eine billige und einfache Lösung zur Dämpfung des Treibhaus-Effektes

 

von Heinrich Pesch

 

Soweit ich informiert bin, ist diese Idee noch nirgendwo vorgestellt worden, doch meine Recherchen sind beschränkten Umfangs. Grundsätzlich ist die Idee schon in der Gaia-Hypothese von James Lovelock enthalten.

 

Die meisten Klima-Forscher sind sich heute einig darüber, dass die CO2-Emissionen der Industrienationen in naher Zukunft zur Erwärmung des Klimas unseres Planeten führen werden. Als Abhilfe wird gemäß des Kioto-Abkommens eine Verminderung der Emissionen vorgeschlagen. Dies soll durch Einsparung von fossilen Energien geschehen. Andere Alternativen gehen davon aus, dass sich die Erdbevölkerung an eine Erwärmung des Klimas anpassen muss. Auf jeden Fall würden die vorgeschlagenen Abwehrmaßnahmen immense Kosten verursachen und erst mit Verzögerung greifen, weshalb die bisherige Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Unterzeichnung des Kioto-Abkommens verwehrt hat. Auch andere maßgebliche Verursacher von überschüssigem CO2 in der Atmosphäre wie Indien und China sind skeptisch.

 

Meine Idee geht das Problem von einer anderen Seite an. Statt langwieriger Umstellungsmaßnahmen unserer Energiewirtschaft zur Verminderung der CO2-Emissionen frage ich mich, ob wir nicht eine rasch wirkende und verhältnismäßig billige Methode finden können, die den gleichen Endeffekt, nämlich die Abkühlung des Klimas zur Folge hätte.

 

Statt den CO2-Gehalt der Atmosphäre zu erniedrigen oder zu stabilisieren schlage ich Maßnahmen vor, mit denen die Abstrahlung von Energie vom Planeten in den Weltraum erhöht wird.

 

Im Durchschnitt strahlt die Erde etwa 33 % der von der Sonne eintreffenden Strahlung wieder ab. Der Anteil der Abstrahlung eines Körpers wird als deren Albedo bezeichnet. Die Albedo der Erde von 0,33 liegt zwischen dem des Mondes (0,12) und der Venus (0,76).

 

Neuschnee strahlt zwischen 75 und 90 % der eintreffenden Strahlung wieder zurück, dagegen Getreidefelder nur 10 - 25 %, desgleichen Wälder, Wasserflächen etwa 10 %.

 

Wer einmal bei klarem Wetter über dicht besiedelten Gebieten geflogen ist, wie über West-Europa, weiß, dass Bauwerke und Straßen einen beträchtlichen Teil der Erdoberfläche bedecken. Die Albedos von Baumaterialien variieren von weiß gestrichenen Oberflächen (0,90) zu dunklem Asfalt (5 %). Im Durchschnitt rechnet man, dass die Albedo einer Stadt bei etwa 15 % liegt.

 

Mein Vorschlag geht davon aus, dass es relativ einfach ist, auf die Albedo unserer Wohngebiete einzuwirken. Statt dunkler Materialien könnten wir möglichst helle Materialien bevorzugen. Wegen der traditionell verwendeten dunklen Oberflächen sind Städte etwa 1% wärmer als die unbebaute Natur: http://www.uni-kiel.de/ewf/geographie/lehre/stadt/oeko/stleit.htm

 

Durch die voranschreitende Klima-Erwärmung gehen die Gletscher zurück, es wird befürchtet, dass dadurch der Verlust von weißen Gebieten z.B. in den Alpen, deren hohe Albedo unser Klima kühl halten würde, zu einer Beschleunigung der Klima-Erwärmung führen könnte. Sicherlich ist die Oberfläche der bebauten Umwelt in Europa deutlich größer als die Fläche des ewigen Eises in den Alpen, und durch Erhöhung der Albedo unserer Wohn- und Industriegebiete könnte dieser Gefahr effektiv begegnet werden.

 

Je näher ein Gebäude oder eine Straße am Äquator liegt, desto höher wäre der kühlende Effekt durch Verwendung möglichst heller Baumaterialien. Besonders wichtig ist das bei Flächen, die dem Äquator zugewendet sind (nach Süden zeigende Wände und Dächer auf der Nordhalbkugel). Indem die Dorfbewohner der Entwicklungsländer besonders in Südasien ihre Dächer weißen, ließe sich gewiss ein messbarer globaler Kühlungseffekt erreichen. Dabei zähle ich auf die private Initiative der Menschen, weniger auf Regierungsprogramme. Die Länder in der Nähe des Äquators sind am meisten von den Folgen der Klima-Erwärmung bedroht und können am meisten von einer Abwendung der Gefahr profitieren.

Im Vergleich zu vielen anderen Vorschlägen zur Abwehr der Klima-Erwärmung wie CO2-Absorption oder Veränderung der optischen Eigenschaften der Stratosphäre ist mein Modell extrem „low-tech“ und dezentralisiert. Die Kosten der Verwirklichung können leicht von den Immobilienbesitzern aufgebracht werden, und der Rohstoff zur effektiven Erhöhung des Weißheitsgrades von Oberflächen, Titandioxid, ist leicht erhältlich.

 

Diese Idee wurde erstmals am 9. Januar 2004 in meinem Leserbrief an die finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat veröffentlicht.

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