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Mit Fahrrad und Zelt quer durch die Schären


Auf dem Ringweg durch das südostfinnische Archipel: Wasser, Wind und Blumenduft

Zeichenerklärung: rot=Straßen, gelb=Gratisfähren, blau=Mautfähren, C=Campingplatz +=Kirchen


Jetzt oder nie!

Montag, 2. Juli 2001. Seit Mittsommer scheint die Sonne, und die Wettervorhersage verspricht weiterhin Sommerwetter für die nächsten fünf Tage. Da heißt es zugreifen und nicht zuwarten! Schnell packen und in den Zug nach Turku. Aber halt: im Sommerfahrplan gibt es keinen P-Zug mehr, der am Vormittag von Helsinki nach Turku verkehrt. Der nächste wäre erst 14.27 vom Bahnhof Espoo. Wir wissen von unseren Erfahrungen vom letzten Jahr, dass die neuen IC-Züge der Finnischen Staatsbahnen nur Platz für 3 Fahrräder haben, und diese Plätze sind außerdem noch recht unbequem im Gebrauch. Der S-Zug vom Typ Pendolino nimmt überhaupt keine Fahrräder mit!

Dank des kleinen Aufschubs haben wir noch Zeit, uns die letzten Broschüren vom Archipel zu verschaffen: ein Stoß buntbedrucktes Papier als Zuglektüre. Pünktlich 5 Minuten vor Abfahrt stehen wir mit unseren Rädern am Bahnsteig, nachdem wir die Hürden des unbequemsten Bahnhofes der Welt genommen haben. Der Fahrkartenschalter befindet sich auf der Betonbrücke über den Gleisen, und in den Fahrstuhl passt kein Fahrrad hinein: also zu Fuß die steilen Treppen herunter und dabei das schwer beladene Rad im Zaum halten.

Der Schaffner hilft, die Räder in den Frachtwagen zu heben. Aufatmend sinken wir in unsere Sitze und blättern die Informationen durch. Für die Fährverbindungen gibt es zwei Broschüren, eine vom Straßenamt und eine vom Seefahrtsamt. Wie wir später bemerken werden, sind die Fähren des Straßenamtes kostenfrei, sie verkehren entweder viertelstündlich oder nach Bedarf und sind ganz einfach schwimmende Brücken. Die Fahrzeuge des Seefahrtamtes überqueren längere Strecken und erheben kleine Gebühren.

Die Schären-Broschüre im Format A4 enthält eine große Faltkarte, auf denen die verschiedenen Dienstleistungsbetriebe verzeichnet sind. Wir stellen fest, dass unser erster Campingplatz in Pargas liegen wird, knapp 30 km von Turku, und der nächste erst auf der Hauptinsel von Nagu 50 km weiter. Somit können wir zufrieden sein, dass wir nicht schon am Morgen losgefahren sind, denn 80 km am ersten Tag wäre sicher zu viel gewesen, und 30 km zu wenig für den ganzen Tag. Wir beschließen, schon in der letzten Station vor Turku, im Vorort Kupittaa auszusteigen.

Um 16 Uhr treten wir in die Pedalen und richten die Fahrt nach Südwesten, wo wir Kaarina vermuten. Erster Stop beim nächsten MacDonalds. Es herrscht unangenehm böiger Wind und nach den kurzen Regenschauern ist es kühler als erwartet. Wenige Kilometer nach Kaarina in Richtung Pargas endet der separate Radweg. Fortan heißt es am Rand der Autostraße zu fahren und sich von den schweren Lastern überholen lassen. Einerseits ist es leichter als auf dem Radweg, denn die machen viele unnötige Bögen und verlaufen mal tiefer, mal höher als die Autostraße. Aber im Gegensatz zu den Straßen, die wir im Vorjahr in Åland kennen gelernt hatten, sind hier die durch weiße Streifen abgeteilten Ränder sehr schmal und werden fortan von Kilometer zu Kilometer immer schmaler, bis spätestens auf Houtskär die weißen Streifen ganz verschwinden.

Pargas/Parainen

Um 19 Uhr sind wir auf dem Campingplatz Solliden 3 km vom Zentrum Pargas. Wir bezahlen für zwei Personen und Zelt 80 FIM (13,50 Euro). Der Zeltplatz liegt auf einem felsigen Hügel und ist schon fast vollständig mit Wohnwagen belegt. Wir finden eine einigermaßen ebene Stelle etwas oberhalb der Sanitätsräume und bauen unser Zelt auf. Das Gelände ist typischer Kiefernwald. Etwas weiter oben gibt es Miethütten. Nahebei sind Saunen und überdeckter Koch-Grillplatz. Das Gelände verfügt über einen guten Sandstrand, wo Kanus vermietet werden. Bei Regenwetter würde das Wasser nirgendwo lange hängenbleiben.

Wir fahren noch in den Ort Pargas. Die mittelalterliche Granitkirche ist schon zu, der Bau ist überraschend groß und verwinkelt. Etwas weiter, hinter der Brücke, liegt das kleine Stadtzentrum, das sogar mit einer Fußgängerzone aufwarten kann. Aus einer Broschüre erfahren wir, das Pargas über den größten Kalksteinbruch Skandinaviens verfügt. Von einem Aussichtspunkt hat man guten Überblick über das Gelände. Hier wird auf 65 ha seit hundert Jahren Kalkstein gebrochen, 6 Millionen Tonnen jährlich. Die Grube hat eine Ausdehnung von 2 km.

Ein anderes Markenzeichen von Pargas sind die Kekse, die allerdings wegen ihres hohen Preises nur selten im Sortiment sind. Das Rezept für Paraisten piparkakut wird vor Weihnachten immer wieder zitiert, doch hier gibt es eine Bäckerei, die sie authentisch herstellt. Wir trinken noch ein Glas auf der Terasse des Strandhotels und fahren dann zurück nach Solliden. Hier sind unterdessen noch einige Gäste mehr eingetroffen, man hört vornehmlich deutsche Zungen.

Am Morgen fahren wir zum Frühstück ins Zentrum zur Konditorei. Es ist schon sehr heiß und die Sonne blendet. Beim Herumfahren stoßen wir auch auf ein Schild, das zur Touristeninformation führt. Viel neues erfahren wir dort auch nicht. Wir besichtigen die Kirche.


Die Wappen alter Adelsgeschlechter sind ein typischer Schmuck in skandinavischen Kirchen
Die mittelalterlichen Gewölbefresken sind gut erhalten

Wir beschließen, die Mittagsstunde an einer schattigen Stelle am Strand von Solliden zu verbringen. Um 14.30 sind wir gepackt und abfahrbereit, einigermaßen mit Trinkwasser versorgt. Im Supermarkt an der Straße nach Korpo kaufen wir noch etwas erfrischendes Obst. Gleich hinter Pargas kommt eine der steilsten Steigungen der ganzen Tour, die uns alles abverlangt. Der Schweiß läuft munter. Bald endet wieder der gesonderte Fahrradweg. Was auf der Touristenkarte nach einer geschlossenen Landmasse aussieht, entpuppt sich als eine Masse von Inseln: der Schärengarten! Pargas ist die einzige finnische Stadt, die ganz von Wasser umgeben ist.

Nagu/Nauvo

Nach Nagu (finnisch Nauvo) bringt uns die Fähre in fünf Minuten. Der erste Teil von Nagu heißt Lillandet und erweist sich allmählich als touristische Wüste. Nichts als Wälder und Felder, die einzigen Schilder weisen auf Lieferanten für Holzwaren und Kies hin. Unser Trinkwasser ist bald alle, desgleichen das Obst (gelbe Melonen sind sehr erfrischend). Endlich endet die eintönige Strecke an einer Brücke, wo ich einen einsamen Bootssteg erspähe, von wo ich ins Wasser steige und mich abkühle. Nach der nächsten Brücke sind wir dann auf der Hauptinsel von Nagu und gleich im Kirchdorf. Am Yachthafen steht das berühmte Restaurant L'Escale, das sich einen französischen Anstrich gibt. Im Obergeschoss steht der Präsidententisch, wo mitunter die Staatspräsideten Finnlands zum Abschluss eines Bootsausflugs von Naantali herkommen, gepflegt speisen und auch ihre Sommergäste bewirten, wie z.B. das schwedische Königspaar. Auf der Terasse unterm Sonnenschirm finden wir noch einen freien Tisch. Statt des empfohlenen Fischs bestellen wir ein Nudelgericht für Ullamaija und einen Landmannsalat für mich. Und natürlich eine Karaffe mit Eiswasser. Es schmeckt uns ausgezeichnet. Nachher legen wir uns für eine Weile auf den Rasen an der Kirche, bevor wir die letzte Etappe angreifen. Allmählich lässt auch die Hitze etwas nach.

Der Campingplatz von Nagu liegt gleich beim Fährkai nach Korpo. Hier bezahlen wir nur 40 FIM, doch dafür gibt es Trinkwasser nur an der Gaststube, aus den Hähnen und Duschen kommt sonst Meerwasser. Der Zeltplatz ist weitläufig und verwildert. Nach einer heißen Dusche und einem kühlen Getränk sind wir reif für den Schlafsack. Nachts bewundern wir den herrlichen Monduntergang der hellen Sommernacht, nur wenig gestört von Mücken.

Am Morgen packen wir sofort und gehen mit den Rädern zur Gaststube. Der Tag verspricht noch heißer zu werden als gestern. Ein Fischhamburger gibt uns den nötigen Treibstoff. Die Strecke über Korppoo ist recht kurz, und wir wollen irgendwo in Houtskär mittagmahlen. Korpo/Korppoo ist recht flach, ohne bemerkenswerte Steigungen. Die Sehenswürdigkeiten liegen im Südwestteil der Insel, zu abseits für uns. Die Überfahrt nach Houtskär dauert 40 Minuten, und Fähren verkehren wesentlich häufiger als der Fahrplan erwarten ließ. Auf dem Deck am Bug der Fähre steht das Auto einer schweizerischen Familie. Ein vorüberziehendes Schiff verursacht durch seine Bugwelle, dass plötzlich die Gischt die Kinder an der Reling durchnässt. Die Jungen genießen die Abkühlung, doch ihre Schwester bricht vor Überraschung in Tränen aus.

Houtskär

Auf Houtskär fahren wir nur ein paar Kilometer, bevor wir etwas abseits an einem kleinen See uns zur Mittagsrast niederlassen. Wir sind unerwartet früh eingetroffen. Die Ameisen sind hier mächtig groß und können tüchtig zwicken. Nach ein paar Stunden setzen wir die Tour fort. Bald lädt ein Schild auf das Restaurantschiff Emma ein. Die Emma ist ein recht großes und gemütlich eingerichtetes Boot. Fisch des Tages ist gebratene Renke, dazu leichter Weißwein aus Südafrika: Pearly Bay, und Eiskreme.

Nun beginnt der angenehmste Teil der Rundtour! Die Straße wird schmal und kurvenreich, doch überall am Weg blühen Blumen, wir pflücken frische reife Walderdbeeren und die Luft duftet ganz unbeschreiblich. Dafür lohnte sich die Fahrt. Zwei Fähren setzen uns endlich auf die Insel Mossala, wo wir zuerst den Dorfladen aufsuchen. Einige Kilometer weiter, beim Fährhafen, liegt das Ferienzentrum mit Zeltplatz, Wohnwagenplatz und Restaurant. Der Beitrag ist diesmal 60 FIM.

Die Wiese zum Zelten ist nicht sehr groß, und wird heute abend ziemlich voll, obwohl noch nicht einmal Wochenende ist. Größter Engpass herrscht bei den Saunen, die Wohnwagenkunden und Hüttenmieter haben eigene Saunen, die man stundenweise belegen kann, die anderen müssen sich in die Sauna beim Restaurant teilen: 50 FIM pro Stunde. Wir lassen uns für die letzte Schicht um 22 Uhr eintragen, müssen dann aber leider feststellen, dass das heiße Wasser alle ist. Die Küche schließt um 21 Uhr. Dieser Campingplatz hat die meisten Mücken von den dreien auf unserer Tour. Das Leitungswasser schmeckt salzig, doch im Restaurant wird literweise Quellwasser in Flaschen verkauft.

Um 12.30 Uhr am nächsten Tag fährt die Minifähre von Mossala nach Röölä. Wir lassen Iniö aus, das eigentlich zur Ringtour gehört. Dahinter liegt Kustavi, das wir schon vom vorigen Jahr kennen. Die Überfahrt nach Röölä dauert 2,5 Stunden und kostet insgesamt 60 FIM, 24 pro Person und 6 pro Fahrrad. Der Schaffner rechnet allerding angestrengt im Kopf und verkündet schließlich: 62 Mark! Auf dem Fahrzeug gibt es einen Salong und Kaffee-Automaten. Endlich können wir voll die Aussicht auf die Schärenwelt genießen. Man sieht überraschend wenig Segelboote.

Röölä liegt in engen Fahrwassern. Die Gegend von Rymättylä ähnelt auf der Karte Fischgräten, denn die Landmassen sind von vielen parallelen Fjorden duchschnitten. Hier durch fuhren schon vor 1000 Jahren die Wikinger, später die Kuriere des schwedischen Königs mit Botschaften für Turku. Nach Naantali sind es knapp 25 km, die wir in anderthalb Stunden geschafft haben. Unterwegs versuche ich an einer Grillbude eine Bratwurst zu kaufen, doch der Grill ist wegen der Hitze geschlossen! Und Bratwurst wird noch nicht einmal kalt verkauft, Kebab jedoch könnte ich haben. Ich verschiebe den Imbiss auf Naantali.

Naantali

Naantali ist DIE finnische Sommerstadt. Die Staatspräsidenten ziehen sich allsommers hierhin auf den Sommersitz Goldstrand zurück, der einige Kilometer vom Stadtzentrum auf einer abgeschlossenen Halbinsel liegt. Die Altstadt weist einige Straßenzüge von Holzhäusern aus Urgroßmutters Zeit auf, wo heute feine Cafés und Ateliers untergebracht sind. Wir finden Unterkunft im Hotel Unikeko, die besseren Häuser sind schon alle ausverkauft. Wir haben vor, das Kurbad kennen zu lernen. Eintritt 85 FIM. Hier treffen wir auf überraschend viele Familien mit Kindern, auch Japaner sind zahlreich eingefallen. Wir genießen die verschiedenen temperierten Bassins, danach das herrliche Wetter mit einem kühlen Getränk in der Hand im Liegestuhl. Die türkischen und finnischen Saunen sind hier sehr geräumig.

Wir beschließen den Abend beim Abendmahl auf einer Terasse am Hafen und bewundern den Sonnenuntergang vom Aussichtsturm am Dom aus. Wenn der PräsidentIn in Goldstrand weilt, wird ihm/ihr von hier aus am Abend ein Ständchen geblasen, doch heute ist der Vogel ausgeflogen, die Staatsflagge am Mast fehlt.

Am Morgen rufe ich im Bahnhof Turku an und versuche, zwei Fahrradplätze zu reservieren. Zuerst teilt die Beamtin mit, alle Plätze seien ausverkauft, doch dann versucht sie, nur einen Platz zu reservieren, und siehe da: es geht! Wir bekommen beide Fahrräder in den gleichen Zug um 16 Uhr. Tücken der EDV. Von Naantali nach Turku sind es nur noch 18 km, und wir haben vier Stunden Zeit zum Bummeln.

Auf Wiedersehen, finnische Schärenwelt!

 

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