Stehende Wellen im Schnee
Schneeland Finnland Homepage
Finnlands Landschaften
Winter in Finnland

Mitten im Winter im Archipel - Stille pur!


Eine Idee wird Wirklichkeit. Im Winter die Natur der Schären erleben!

Das tut man doch nicht!

Vielleicht wäre ich nicht auf die Idee gekommen, wenn ich nicht den Roman "Is - Jää" von Ulla-Lena Lundberg gelesen hätte, der übrigens bald (2013) auf Deutsch erscheinen wird. Aber in diesem unglaublich packenden Buch spielt das Eis eine zentrale Rolle und entscheidet das Schicksal einer ganzen Familie.

Natürlich war ich schon oft auf dem Eis der Ostsee, als ich noch in Espoo wohnte und als in den 1980er Jahren der Schärengürtel um Helsinki regelmäßig zufror. Aber eigens im Winter ins Archipel zwischen Turku und Stockholm zu fahren, als Tourist, darauf wäre ich wohl nie gekommen ohne die Familienchronik von Lundberg, die sich am Ende der 1940er Jahre im südöstlichen Teil von Ahvenanmaa, auf Kökar (gesprochen Tschökar) abspielt.

Natürlich ohne Fahrrad

2001 hatte wir das Archipel auf Fahrrädern durchquert. Diesmal haben wir einen kleinen Mietwagen und nur ein Wochenende Zeit. Nach gründlicher Internet-Suche habe ich festgestellt, dass es im Winter nur ein Hotel gibt, das geöffnet ist. Es ist das Hotel Nestor auf Korppoo, ein Familienbetrieb, der dem Künstlerpaar Pia Rousku und Frank Hellgren gehört. Andere Unterkunftsmöglichkeiten stehen erst ab Anfang April oder noch später offen, wenn der Winter schon vorbei ist.

Auch Restaurants sind im Winter rar. Das beste Restaurant an der Ringstraße ist zweifelsohne L'escale in Nauvo/Nagu. L'escale bietet im Winter werktags Lunch und ist Freitags und Samstags bis Mitternacht offen, Sonntags aber geschlossen. Auf Korppoo, gegenüber von der Kirche, hat Hjalmars gerade eine Renovation hinter sich und ist auch an Wochenenden offen. So werden wir also auf Korppoo sowohl Bett als auch gutes Essen finden.

Nach dem dritten schneereichen Winter in Folge ist der März 2013 besonders kalt gewesen und bricht alle meteorologischen Rekorde. Trotzdem sind die Straßen frei von Schnee und Eis, und die Spikereifen unseres Mietwagens scheinen uns übertrieben. Später auf Korppoo sind wir dann stellenweise doch froh, auf Eis und Schnee rutschfest fahren zu können.

Die Fähren zwischen Parainen und Nauvo sowie Nauvo und Korppoo verkehren regelmäßig alle 15 bzw. 25 Minuten auch an Wochenenden. Viele Reisende sind nicht unterwegs, und die Fähren werden nur halbvoll.

Nauvo

Bei der Ankuft im Zentrum von Nauvo fahren wir sofort an der Kirche vorbei zum Yachthafen, wo sich das Restaurant L'escale befindet. Im benachbarten schmucken Hotel hätten wir gerne übernachtet, doch es ist wie alle anderen hier geschlossen.

Wir bestellen á la carte Salat und Maräne. Zum Nachtisch habe ich einen märchenhaften Apfel-Pie mit Eiscreme und Schlagsahne. Unglaublich gut!

Korppoo


Unser Hotel liegt nur einige Kilometer hinter der Anlegestelle, im Dörfchen Österretais. Es handelt sich um ein rotes Gebäude mit einem kleinen Türmchen in der Mitte. Die Fundamente stammen von einem früheren Kuhstall. Die Eigner des Hotels haben im zweiten Stock sechs Fremdenzimmer mit Bad und WC und einen Fernsehraum, von dem aus man auf einer steilen Holztreppe das Türmchen besteigen kann, das Aussicht nach allen Himmelsrichtungen bietet. Unten ist ein großer Frühstücksraum und die Küche. In der Diele steht an der Hinterwand eine echte Chaiselongue und über dem Tisch hängt ein schöner Kronleuchter.

Die Einrichtung des Hotels Nestor ist außerordentlich gediegen und zeugt von gutem Geschmack. Alles ist bis ins Letzte verarbeitet, nichts dem Zufall überlassen. Das Hotel ist fünf Jahre in Gebrauch, aber man sieht keine Abnutzungserscheinungen und nirgendwo auch nur ein Stäubchen Schmutz, was von nachlässiger Reinigung zeugen würde.

Unsere Gastgeberin ist die Kunstmalerin und Kunsthandwerkerin Pia Rousku, deren Ateljee im Nachbarhaus liegt. Wir fragen sie nach dem Weg zum Strand, dann bringen wir unser Gepäck aufs Zimmer und machen uns auf den Weg. Am Himmel segeln einige Wolken, und hin und wieder kommt ein leichtes Schneegestöber bei etwa 4 Grad Frost. Zum Strand ist es nur ein halber Kilometer Weg. Dann dürfen wir die unberührte Eisfläche betreten, die mit etwa 10 cm Schnee bedeckt ist und wo nur die Spuren von Hasen zu sehen sind. Der Rest ist Werk des Windes und der Wechselwirkung von Eis und Wasser. Wo unter der Oberfläche ein großer Stein liegt, hat sich ein kleiner Eisvulkan gebildet.

Nach unserer Eiswanderung kehren wir zum Auto zurück und fahren über das Kirchdorf von Korppoo zum Südstrand der Insel. Alles ist wie ausgestorben, Hotel und Feriendorf im Winterschlaf. Inzwischen ist es Zeit zum Abendessen, die Sonne steht schon tief. Im Hjalmars ist es ganz gemütlich, wir sind wie überall heute die einzigen Touristen. Wir lauschen dem Geplauder der anderen Gäste und ihrem eigentümlichen Dialekt. Von der Speisekarte wähle ich die Fleischklößchen aus Rindfleisch vom benachbarten Gut Wattkast. Ullamaija bestellt jetzt Maräne. Die Fleischklößchen sind vortrefflich, doch in die Soße hat der Koch wohl die dreifache Menge weißer Pfeffer gestreut. Als ich dem Wirt davon berichte, bedankt er sich für den Hinweis, was nach unserer Erfahrung eine seltene Reaktion ist. Meistens wird ja auf Beanstandungen mit Ausreden reagiert.

Vor der Rückkehr zum Nestor suchen wir noch die Kirche auf, wo gerade die Abendandacht begonnen hat.

Im Nestor ist alles ruhig, und wir haben das ganze Hotel für uns zwei. Wir öffnen ein Fläschchen Rotwein und sehen fern. Ab und zu steigen wir ins Türmchen hinauf und bewundern den fast vollen Mond und hoffen auf Nordlichter, aber leider vergebens. Die Betten im Nestor sind wie alles hier erstklassig.

Wir haben das Frühstück auf 9 Uhr bestellt, und Pia hat uns den Tisch gedeckt. Es gibt Roggen- und Weizenbrot, türkischen Joghurt, Saft, gekochte Eier, gute Marmelade und Käse und Schinken. Der Kaffee ist hier besser als in den meisten finnischen Hotels, wohl handelt sich um eine Marke aus Schweden.

Es stellt sich heraus, dass hinter Houtskari in Richtung Iniö im Winter keine Fährverbindung besteht. Wir können also nicht die vorgesehene Rundtour machen, sondern müssen über Nauvo zurück nach Hause.

Nach dem Frühstück gehen wir wieder zum Strand und bummeln auf dem Eis. Pia hatte uns erzählt, sie habe seit Jahren versucht, im Winter Touristen anzulocken, aber mit wenig Erfolg. Im Sommer dagegen ist alles gerammelt voll. Wir sehen im finnischen Wintertourismus großes Potential, auch für die Schären. Die Stille auf der weiten Eisfläche ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Auf Skiern könnte man hier Stunden zubringen und ganze Inseln umrunden.

Vor der Abfahrt machen wir noch einen Abstecher nach Wattkast zum dortigen Feriendorf. Hier sollten wir im Sommer einmal wiederkommen. Von der Brücke aus gelingt uns ein Schnappschuss auf einen Seeadler.

 

Fotos und Text Copyright © 2013 Schneeland Finland