Finnlands klassische Musik

SkopoNet Finnland Homepage
Moderne Komponisten
Berühmte finnische Solisten
So entstand die Nationalhymne
Literatur und bildende Kunst
Finnischer Film
Alles über die finnische Flagge

  Zur Startseite

Finnlands Klassiker

Der bekannteste Name der finnischen Musik ist natürlich Jean Sibelius, dessen intensivste Schaffensperiode in die beiden ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts fiel. Dieser Erbe von Brahms und Zeitgenosse von Schönberg und Richard Strauß ging andere Wege als die Avantgarde seiner Generation. Sibelius' Kompositionstechnik vermeidet einen Bruch mit der Romantik, entwickelt jedoch eine ganz eigene, moderne musikalische Sprache. Als junger Mann war Sibelius der Exponent erwachenden finnischen Nationalbewusstseins, in seinen Frühwerken schafft er die Welt der Kalevala in Musik nach. Seine späteren Werke dagegen sind absolute Musik, eine eigene Welt. Der bekannte Musikkritiker Theodor Adorno hatte es Sibelius angekreidet, dass dessen Musik von den Nazis geschätzt wurde. Adorno verurteilte Sibelius als schlechten Komponisten und verstieg sich dabei sogar zu Superlativen. Natürlich ist Sibelius ein Kind seiner Zeit. Blut-und-Boden-Ideologien hatten damals mindestens genau so viele Anhänger wie heute beispielsweise der Umweltschutz, doch Sibelius können keine Nazi-Sympathien nachgewiesen werden, im Gegenteil.

Der Dirigent Hannu Lintu berichtet, dass sogar die Musiker der mitteleuropäischen Spitzenorchester am Anfang Schwierigkeiten haben, die Rhythmen von Sibelius' Sinfonien richtig wiederzugeben. Eines der ersten Orchesterwerke Sibelius', die selten aufgeführte Kullervo-Sinfonie von 1891 nimmt die synkopischen Rhythmen von Strawinskys Pfingstopfer (1913) vorweg. Das ist kein Zufall, denn sowohl finnische wie russiche Komponinsten der Jahrhundertwende ließen sich von der karelischen Volksmusik inspirieren.

Ein Zeitgenosse Sibelius', der in Wiborg geborene Ernst Mielck (1877-99) hätte diesem wohl den Platz als Finnlands begabtester Komponist streitig gemacht, doch starb er schon mit 22 an der Schwindsucht. Mielcks f-moll-Symphonie zeugt von reifer Assimilation der klassischen und spätromantischen Konzerttradition: ein zweiter Brahms, doch ohne dessen Überheblichkeit und Bierseligkeit.

Leevi Madetoja (1887-1947), der vor 1919 teilweise als Schüler Sibilius' am Konservatorium in Helsinki studierte, wurde von den Zeitgenossen unterschätzt, denn statt patriotisch-bombastischer Werke kamen aus seiner Feder verfeinte, nachdenkliche Kompositionen. Debussy und Tschaikowski standen ihm künstlerisch nah, und er verarbeitete die Einflüsse seiner Zeitgenossen wie Strawinski und Prokofiew mit großem Geschick. Er schrieb drei Sinfonien (die Partitur der vierten wurde ihm in Paris samt Koffer gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht) und zwei Opern ("Bottnier", "Juha"). Eines seiner besten Orchesterwerke ist die Bühnenmusik zu "Okon Fuoko".

Andere hörenswerte Komponisten der Vorkriegszeit: Toivo Kuula, Aarre Merikanto...

 


Jean Sibelius

Gemälde von Eero Järnefelt

Leevi Madetoja

 

Leif Segerstam

Esa-Pekka Salonen

Kaija Saariaho

Magnus Lindberg

Englischsprachige Artikel zu Finnlands Musikleben

Das neue Opernhaus in Helsinki (deutsch)

Finnlands Moderne

In der Nachkriegsgeneration haben sich vor allem Aulis Sallinen mit seinen Bühnenwerken und Einojuhani Rautavaara als Symphoniker sowie Joonas Kokkonen (1921-96) als Symphoniker und Opernkomponist internationalen Ruf erworben. Jüngstes Mitglied der finnischen klassischen Musikelite ist die 1952 geborene und in Paris wirkende Kaija Saariaho, deren Oper "L'amour de loin" bei den Salzburger Festspielen 2000 erfolgreich uraufgeführt wurde. Im Dezember 2002 wurde Saariaho dafür der auf 200 000 Euro dotierte Gravemeyer-Preis der Universität Louisville (USA) verliehen! Die finnische Oper erlebt gerade eine unerwartete Blütezeit, im Jahr 2000 wurden 14 davon uraufgeführt.

Finnische klassische Musik, so international sie ist, wird doch am besten von finnischen Interpreten zu Gehör gebracht. Das ist einer der vielen Gründe, warum es sich lohnt, nicht nur im Sommer, sondern vor allem im Herbst und Winter unser Land zu besuchen, wenn die Konzertsäle und die Nationaloper in voller Tätigkeit sind. Auch als Interpreten russischer und deutsch-österreichischer Klassik haben die finnischen Dirigenten wie Saraste, Salonen, Segerstam einen guten Ruf. In Finnland sind etwa 30 Berufsorchester tätig, zu den Konzertsälen kam im Herbst 2000 das neue, ganz aus Holz konstruierte Sibelius-Haus in Lahti.

Leif Segerstam: ein Gigantomane sowohl am Pult als auch als Komponist. Noch ist in guter Erinnerung sein Weltrekord von 1998, als er an einem Samstag sämtliche Symphonien Beethovens dirigierte, mit zwei Orchestern. Danach schwang er den Taktstock bei Finnlands erster Gesamtproduktion des Rings der Nibelungen. Und wenn er einmal Ferien macht, kann es leicht vorkommen wie im Sommer 2000, dass Segerstam mal eben 15 Symphonien komponiert! In den letzten Jahren pflegt Segerstam einen Kompositionsstil, bei dem das Orchester "frei-pulsativ" ohne Dirigent spielt. Esa-Pekka Salonen allerdings ist weniger produktiv, doch dafür werden seine Kompositionen auch international geschätzt. Salonens Homepage

Magnus Lindberg (*1958) gilt zu Recht als der heutzutage bekannteste und meistaufgeführte klassisch moderne Komponist Finnlands. Seit dem Studium an der Sibelius-Akademie ist er eng befreundet mit Salonen, der meistens die Ehre und das Vergnügen hat, die Lindberg-Stücke uraufzuführen. Lindberg bekennt sich als Strawinski-Verehrer, dessen Sacré-Partitur immer auf dem Schreibtisch liegt. Bekannteste Kompositionen: Kraft, Joy, Marea, Gran Duo uva. Offizielle Lindberg Site (Englisch)

Mit Recht kann man feststellen: Finnland ist DIE Musik-Supermacht. Gemessen an der Bevölkerungszahl hat kein Land annähernd so viele Spitzenorchester, international bekannte Dirigenten, Musiker und SängerInnen. Die Produktion an zeitgenössischen Kompositionen ist gleichfalls phänomenal.

 

Zum Anfang

Berühmte finnische Solisten

Wohl der erste Finne, der den Durchbruch zu internationaler Berühmtheit schaffte, war der Bass Martti Talvela, dessen Glanzrolle der Boris Godunow war und regelmäßig in Bayreuth zu hören war. Sein Nachfolger in dieser Stimmlage ist Matti Salminen (Oper Köln 1972-80). Eine in Bayreuth vielgehörte finnische Sopranstimme war Anita Välkki. Sowohl Välkki wie Talvela sind noch auf vielen Einspielungen der 60er und 70er Jahre vertreten.

Seit den 80er Jahren stieg die Anzahl berühmter finnischer Solisten stetig. Beim ersten Cardiff-Wettbewerb siegte Karita Mattila, Sopran, und zählt heute zur Riege der Superdiven auf den Opern- und Konzertbühnen. Die Schubert-Interpretationen von Jorma Hynninen (Bariton) und Ralf Gothóni (Piano) gehören zum Besten ihrer Gattung, und Gothóni hat durch den Gilmore-Preis 1994 die höchstmögliche Auszeichnung erhalten. Was weniger bekannt ist, ist seine Tätigkeit als Dirigent von Kammerorchestern in Finnland, Europa, China und USA. Ein Sonderling der Flügelvirtuosen ist Olli Mustonen, dessen eigenwillig weit ausgreifendes Spiel anfangs viel Kopfschütteln im Publikum verursachte. Der neueste Stern am finnischen Pianistenhimmel ist Antti Siirala, Sieger vierer internationaler Wettbewerbe, zuletzt dem von Leads 2003, der sich vor allem auf Beethovens Werk konzentriert.

 

Zum Anfang

 

 

Deutsche Seite zu Nordgren

Zuletzt gehört

Pehr Henrik Nordgren (*1944) begann im Schulalter zu komponieren und erregte das Aufsehen von Joonas Kokkonen, der den jungen Mann Ende der 60er Jahre privat unterrichtete. Drei Jahre studierte der aus Åland stammende Nordgren in Japan und heiratete eine Japanerin. Dieser Komponist lebt seit Jahrzehnten im bottnischen Dorf Kaustinen.

Sein Viertes Cellokonzert op. 89 wurde 1994 in den USA aufgeführt und war am 6.2.2002 im Finlandia-Haus in Helsinki zum ersten Mal in Finnland zu hören, Solist Marko Ylönen. Wer von klassischer Musik Stoff zum Nachdenken, starke Empfindungen und auch Schönheit erwartet, kommt bei Nordgren nicht zu kurz! Der Schostakowitsch - Verehrer hat da ein facettenreiches Stück geschaffen, dass man sofort wieder hören möchte.

Esa-Pekka Salonen dirigiert Esa-Pekka Salonen im Konzert im Finlandia-Haus in Helsinki am 1.3.2002. Zwei Werke des Dirigenten, ein Spätwerk von Strawinsky und "Kraft" von Magnus Lindberg standen auf dem Programm des Eröffnungsabends zur Musikwoche "Musica nova". Schon 20 Jahre ist es her, da wurden die beiden Freunde Salonen und Lindberg einer weiten Öffentlich bekannt mit ihren ersten größeren Kompositionen. Salonens "Konzert für Orchester und hellbraunbeschuhten Saxofonisten" war ursprünglich mit Titeln aus Kafkas Werken versehen. In den ersten beiden Sätze kommen neben dem Saxofon nur die Schlaginstrumente und Bläser zu Wort, erst im dritten Teil stimmen die Streicher ein. Zwischendurch marschiert der Solist hinter das Orchester, spielt seinen Part und kommt dann wieder nach vorn.

Das zweite Werk, "LA Variations" stammt aus dem Jahre 1996. Salonen ist Chefdirigent des Los Angeles Symphony Orchestra vorläufig bis 2006 und das Werk war eine Auftragsarbeit des Orchesters. Wer Vorurteile gegen moderne klassische Musik haben sollte, könnte hier vielleicht Heilung finden, zumindest Erste Hilfe. Graziös, elegant und im Finale mit unwiderstehlicher Kraft fließen die Ideen Salonens.

Die Auführung von "Kraft" ging unter Mitwirkung des Komponisten vonstatten, der mit Begeisterung den großen Gong und eine Ansammlung von Schrott sowie den Flügel spielte. Selten hat ein Konzert dem Publikum solchen Spaß gemacht wie an diesem Abend. Der ganze Saal verwandelte sich in ein Happening, ganze Gruppen des Orchesters wandelten zu verschiedenen Stellen und eröffneten neue Dimensionen.

Esa-Pekka Salonen dirigiert auf eine Weise, das es jedem Zuschauer zur Freude ist. Jede Geste ist präsize, seine feingliedrigen Hände sprechen Musik!

 

 

 

Fotos und Text Copyright © 2001-2003 SkopoNet Finland