Film in Finnland - mehr als Kaurismäki

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Die Blütezeit des finnischen Films fällt in die 1930er und 1940er Jahre. Die besten Erzeugnisse dieser Zeit können sich auch international sehen lassen, obwohl sie wegen der Sprache wohl für immer dem einheimischen Publikum vorbehalten bleiben. In Finnland werden Filme seit jeher mit Untertiteln vorgeführt, einheimische Produktionen in der jeweiligen anderen Landessprache - Finnisch oder Schwedisch - und fremdsprachige Produktionen sowohl Finnisch als auch Schwedisch, ähnlich wie in der Schweiz. Synchronisation lohnt sich in kleinen Ländern nicht und ist auch unnötig, wenn wie in Finnland die Bevölkerung ausgezeichnete Schulbildung erfahren hat.

In der Blütezeit des Films wurden meistens Literaturverfilmungen und patriotisch-historische Schinken produziert. 1942 errang "Yli rajan" den Preis der Jury des Filmfestivals in Venedig. Für die Ära passend illustriert das pathetische Werk die Leiden der Bevölkerung unter den Bolschewiken jenseits der Grenze. Doch auch Humor kam in Finnland nicht zu kurz, die Kriegsfarcen der Jahre 1940-43 machen sich über das eigene Heldentum lustig. (Mein englischer Artikel über die finnische Kriegskultur)>>.

Rechts: Szene aus "Jees ja Just", Regie Risto Orko

Ansa und Tauno in "Vagabundenwalzer"

Nach dem Kriege kam die Zeit der romantischen Bauernfilme. Typischerweise verliebt sich eine arme und schöne Magd in den feschen Studenten, der den Sommer auf dem Gut verbringt. Nach Kahnfahrt und Übernachtung im Heuschober ist das Mädchen natürlich schwanger, doch der Bursche zeigt sich von der kühlen Seite. Das Thema wird immer neu variert, und in der Hauptrolle ist eigentlich die finnische Natur. Filmstarpaar dieser Jahre waren Ansa Ikonen und Tauno Palo.


Gegensätze zwischen Stadt und Land waren in dieser Zeit das tragende Thema der finnischen Spielfilme. In ihren Bildern gelang ihnen die Konservierung der überkommenen Lebensformen und sind sie deshalb heutzutage Träger nationaler Nostalgie, mit Flößerromantik, Heumahd und den einst allgegenwärtigen Milchkannenpodesten. Die Kinoproduktion der SW-Periode wird im Fernsehen in regelmäßigen Intervallen immer wieder vorgeführt. Nostalgie ist schließlich auch das Hauptmotiv in Aki Kaurismäkis Filmen.

Der erfolgreichste Film der 50er Jahre jedoch war "Der unbekannte Soldat", Regie Edvin Laine, nach dem Roman von Väinö Linna. Roman und Film sind aus dem finnischen kollektiven Bewusstsein nicht wegzudenken, und die Dialoge sowie die Akteure tief in die moderne finnische Mythologie gedrungen. Das Buch ist bisher dreimal auch auf Deutsch erschienen. Der Film zeigt die Kriegshandlungen an der Nordkarelischen Front zwischen Ende Juni 1941 und dem Waffenstillstand 1944 am Beispiel einer Infanteriekompanie. Einfache Soldaten sind die Helden, die Offiziere meist großmäulig - patriotische Phrasendrescher, mit Ausnahme des Kompaniechefs Akseli Koskela, dessen Leben näher in Linnas Romantrilogie "Hier unter dem Polarstern" (ebenfalls verfilmt) behandelt wird. Film- und Buchversion des "Unbekannten" bieten einzigartigen Realismus: der Krieg als gewaltiges Chaos, darin der widerstrebende, auf sich gelassene gemeine Soldat, der aus Humor die Kraft schöpft, sich zu behaupten und der Idiotie der Befehlshaber zum Trotz tapfer kämpft, weil er spürt, dass das Schicksal seines Volkes von ihm abhängt.

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Risto Jarva, Finnlands Godard (?)

In den 60er und 70er Jahren ging es mit dem finnischen Spielfilm gleichmäßig bergab, was die Sorgfalt der Herstellung und die Originalität der Handlung betrifft. Eine Ausnahme bildet der Regisseur Risto Jarva, dessen Ralley-Epos "Benzin im Blut" auch im Deutschen Fernsehen debütierte, und dessen Film "Urlaub" von 1976 einen immer wieder zum Lachen bringt. Der Held, dargestellt von Antti Litja, frisch geschieden, reist mit Skiern nach Innsbruck, merkt jedoch spätestens im Hotel, dass er mit dem Flugticket seiner Frau auf Rhodos angelangt ist. Auch der Koffer ist der seiner Frau, und sein Portmonnai ist im Koffer nach Innsbruck unterwegs. Das Hotel ist ausgebucht, und so muss er mit einer Dame als Zimmergenossin zurechtkommen. Es folgen allerlei gut erfundenen Slapstick-Episoden, und es ist erstaunlich, dass der Streifen im Ausland ohne Erfolg blieb.

Uuno Turhapuro, der unsägliche Schwiegersohn

Uuno mit Schwiegermutter

Das die Besucherzahlen nach 1975 nicht ganz gegen Null sanken, ist einzig dem eigenwilligen Spaßproduzenten Spede Pasanen (gest. 2001) zu verdanken, der mit seinen Turhapuro-Filmen die Kinobesitzer vor dem Bankrott bewahrte. Kritiker haben ihm das nie gedankt und über die Massengunst dieser Streifen seit jeher die Nase gerümpft, zu Unrecht, wie ich meine. Die meisten der Turhapuro-Filme enthalten eine gute Portion frechen Humors, und die besten sind ein Feuerwerk von originellen Ideen. Lange Zeit hielt sich das Gerücht, die Schauspieler hätten ihre Dialoge frei improvisiert, in Wirklichkeit hatte Pasanen alle Einzelheiten geplant.


Der Darsteller der Turhapuro-Gestalt, Vesa-Matti Loiri, entwickelt eine irsinnig extreme Parodie des finnischen Mannes, die in ihren Übertreibungen immer ein Körnchen Wahrheit enthält. Turhapuro (dt. etwa: Unnötigbach) ist eine MG-Schnauze, die immer eine Ausrede findet, um sich vor Verantwortung und Arbeit zu schützen. Immer unrasiert, ungekämmt, mit faulen schwarzen Zähnen im grinsenden Maul, immer in zu weiten Chaplin-Hosen und ein unsäglich schmieriges, zerrissenes Netzhemd "gekleidet", hat er grenzenloses Selbstvertrauen, besonders was die Gunst schöner Frauen und die Geduld seiner Umgebung betrifft. Uuno steht im ersten Turhapuro-Film vor dem Traualtar, und nach dem obligatorischen Kuss triumpfiert er und ruft den Hochzeitsgästen zu: "Seht ihr, es hat geklappt, ich habe eine reiche Frau geheiratet!" Seine schöne Frau versucht fortwährend, Uuno zur Arbeitssuche zu bewegen, und der verzweifelte Schwiegervater seinerseits, den kompromittierenden Schwiegersohn los zu werden. Mit zum ständigen Personal der Turhapuro-Filme gehört u.a. Spede Pasanen selbst, in der Rolle des Vorarbeiters einer Autowerkstatt (im Bild rechts, aus dem Streifen "Uuno Turhapuro verliert das Gedächtnis", 1982), wo auch Uuno herumlümmelt, Bier trinkt und schwadroniert. Niemals jedoch wird gearbeitet.

Uuno ist ungehemmt das, was jeder Mann sein möchte, falls er es vor seinem Über-Ich wagen würde. Daher wohl die ungeheure Popularität der Filme, von denen die besten über 700 000 Zuschauer erzielten - bei einer Bevölkerung von 5 Millionen!

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Finnischer Film wird international

Vesa Vierikko und Kati Outinen in "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik"

Seit dem Beginn der 1980er Jahre haben sich die Brüder Aki und Mika Kaurismäki bemüht, an die Traditionen des europäischen Films anzuknüpfen, doch gleichzeitig eine eigen Filmsprache zu entwickeln. Nach den ersten Gemeinschaftsproduktionen konnte man bald eine Differenzierung im Stil der Brüder ausmachen. Heutzutage dreht Mika meist im Ausland, mit internationalen Besetzungen, Aki vertieft sein Studium der finnischen Mentalität mit finnischen Darstellern, von denen Kati Outinen, Kari Väänänen und Matti Pellonpää in vielen Hauptrollen glänzten. Mikas bekannteste Filme sind "Helsinki Napoli All Night Long" und "L.A. Without a Map".


Akis Stilisation des finnischen Gemüts ist im Ausland schon so bekannt, dass manche Touristen tatsächlich erwarten, in Helsinki solche Lokale vorzufinden wie die Tanzsäle aus "Streichholzfabrik" und Restaurants wie in "Wolken ziehen vorüber" (rechts, mit Pellonpää und Outinen). Dabei ist in Wirklichkeit diese Kultur längst untergegangen und die Charaktere bei Aki Kaurismäki ebenso überspitzt wie ihr Gegenpol Uuno Turhapuro!

Links zu Kaurismäki:

Deutsch

Englisch

Vielleicht das "Geheimnis" von Aki Kaurismäkis Stil ist die Tatsache, dass er mit Vorliebe den ersten Take einer Szene nimmt, nur wenn ein technischer Fehler auftritt, wird noch einmal neu gedreht. Daher die sperrige Ästhetik dieses Filmstils.

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Gegenwart = Vergangenheit

Wenn vom finnischen Gegenwartsfilm die Rede ist, muss man anmerken, dass bis vor kurzem die Filmautoren ziemlich stark in der Vergangenhait befangen waren. Doch die Bildersprache und die handwerkliche Kunst dieser Produktionen sind auf internationalem Niveau. Auch haben es diese Filmmacher verstanden, kommerziell erfolgreich zu sein. Doch im Ausland sind die meisten dieser Filme kaum bekannt, denn ihre Thematik ist sehr finnisch. Sehr oft wird die Geschichte der finnischen Unterhaltungsmusik aufbereitet und der Werdegang zu früh verstorbenen Sänger und Liedermacher wie Tapio Rautavaara, ("Kulkuri ja joutsen"), Rauli Somerjoki ("Badding") und Irwin Goodman ("Rentun ruusu") sorgfältig nachgezeichnet. Irwin Goodman war um die Wende der 60er und 70er Jahre viel in und um Hamburg aufgetreten, und in Rentun ruusu ist die Reeperbahn in Pori nachgebaut worden, mit vielen Schreibfehlern bei deutschen Namen! Erster Film-Hit der letzten Jahre war das Kriegsdrama "Rukajärven tie", welches bei Aufführungen im Ausland dem Vernehmen nach einiges Befremden hervorrief. Das die Weltkrieg-Feinde der Russen als Helden in einem Spielfilm agieren, war einfach zu ungewöhnlich.

Neuester Trend im finnischen Film sind Gegenwartsdarstellung, Jugendkultur und Frauenfilme ("Pelon maantiede"), jedoch ist deren Publikumsgunst bescheidener geblieben. Ein Vergleich zwischen neuen deutschen und finnischen Produktionen wäre sicher ein Filmfestival wert!

Überzeugendste Produktion des Jahres 2001 war vielleicht Jarmo Lampelas "Joki" ("Der Fluss"), ein Episodenfilm aus einer mittelfinnischen Kleinstadt. Die tragikomischen Geschehnisse einer kurzen Stunde eines Spätsommermittags sind nur lose untereinander verknüpft. Selten wirken Filmschauspieler so natürlich wie in diesem Film.

Im Zusammenhang mit diesem kurzen Abriss des finnischen Films soll der in den 1980er Jahren nach Hollywood verzogene Regisseur Renny Harlin nicht vergessen werden. Er hat einige tüchtige Action-Streifen geliefert ("Die Hard II"), danach viele Dollarmillionen in den Sand gesetzt, zuletzt den Autorennfilm "Driven" gedreht und plant nunmehr einen dokumentarischen Film über Mannerheim, die wichtigste finnische Person des 20. Jahrhunderts. Bei seinen Produktionen verwendet Harlin immer einige Versatzstücke, die auf sein Heimatland hinweisen, wie Sibelius-Musik, finnische Flaggen etc.

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Der Mann ohne Vergangenheit

Regie Aki Kaurismäki. Premiere 1.3.2002. Finnischer Titel: Mies vailla menneisyyttä. Hauptdarsteller: Markku Peltola, Kati Outinen, Sakari Kuosmanen.

Ein Arbeiter, dargestellt von Peltoa, kommt vor Morgendämmerung am Hauptbahnhof von Helsinki an und wartet im benachbarten Park, dass es hell wird. Drei Rowdies schlagen ihn zusammen und berauben ihn. Im Krankenhaus wird er für tot erklärt, doch er steht wieder auf und wird schließlich am Hafenufer von dort in Containern wohnenden Obdachlosen aufgefunden und versorgt. Der Mann hat völlig die Erinnerung verloren. Irma von der Heilsarmee (Outinen) kümmert sich um den Hilflosen, verschafft ihm neue Kleider und Gelgenheitsarbeit, doch ohne Namen, Bankkonto und Sozialversicherungsnummer sind seine Möglichkeiten beschränkt. Nach vielen Verwicklungen findet die Polizei heraus, dass er ein Schweißer namens Lujanen aus Nurmes in Nordkarelien ist, wo seine Ehefrau auf ihn wartet. Zu Hause stellt sich heraus, dass seine Frau sich hat scheiden lassen. Lujanen kehrt nach Helsinki und zur Heilsarmee zurück.

Kaurismäki hat wieder ein Märchen erzählt, dass in Kaurismäkiland spielt, wo Finnisch gesprochen wird, die Menschen zwar wortkarg, doch hilfreich sind, auf Müllkippen funktionsfähige Juke-Boxen herumstehen und im Zugrestaurant Sushi mit Sake serviert wird. Sorgfältig sind alle Zeichen des modernen Finnlands retuschiert, nur am Beginn ist an der Bahnsteigüberdachung zu erkennen, dass im Jahre 2001 gedreht wurde. Kaurismäki-Fans werden von diesem Streifen begeistert sein, und Peltola tritt würdig die Nachfolge von Matti Pellonpää als Kaurismäki-Hauptdarsteller an. In Nebenrollen sind viele Fossilien des finnischen Kulturlebens, so der Filmkritiker Peter von Bagh und die mit Würde alternde Tangosängerin Annikki Tähti. Nostalgiker werden in Zukunft mit feuchten Augen u.a. die Szenen im Zug betrachten, denn die von Kaurismäki verewigten herrlich bequemen altmodischen Pullman-Waggons werden zur Zeit immer mehr von neuen IC-Einheiten mit harten, "anatomisch" geformeten Sesseln verdrängt, in denen man nicht mehr die ganze Nacht zwischen Lappland und Helsinki fahren möchte.

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Liebe in Helsinki

Kuutamolla(Premiere 1.2.2002), Regie Aku Louhimies, in Hauptrollen Minna Haapkylä (Iris), Peter Franzén (Marko), Anna-Leena Härkönen.

Ein Kassenmagnet, der nach sechs Wochen noch volle Säle garantiert, das ist dieser Film über die 30jährige schöne Iris, die schon jahrelang allein in Helsinki wohnt, als Verkäuferin in einer Buchhandlung arbeitet und noch immer kaum jemanden kennt. Wie wir alle träumt sie von dem idealen Liebhaber, der sie lieben wird wie sie ist. Solange sie den nicht getroffen hat, schwärmt sie lieber in den Liebesszenen der Filmindustrie. Selten ist ein Film so intertextual wie dieser, statt einer Vergangenheit haben die Menschen Erinnerungen an Spielfilme, von "Taxidriver" bis "Bridget Jones". Wenn sie sich unterhalten und etwas treffendes formulieren, fragt der andere sofort: "Woraus war das?".

Iris´Gegenpol ist die Freundin Anna, gespielt von der Schriftstellerin und Drehbuchautorin Härkönen, die Iris bei allen Gelgenheiten rät, die romantischen Gedanken zu verwerfen und sich ganz auf Sex zu konzentrieren: "Der Mensch ist nur dann glücklich, wenn ihm etwas in die Körperöffnungen hineingeschoben wird oder etwas daraus herauskommt!"

Ist der Kameramann und angehende Filmregisseur Marko der Richtige? Oder doch der Ehemann der besten Freundin? Happy End? Wenn Sie Glück haben, werden Sie irgendwann mal den Film sehen. Verdient hätte er es, in den internationalen Verleih zu kommen oder wenigstens ins Fernsehen.

Übrigens: der Titel "Kuutamolla" bedeutet "Im Mondschein". In Finnland sagt man von jemandem, der nicht ganz mit der Situation klar kommt, "er/sie steht im Mondschein". Kaum jemals zuvor ist Helsinki so vorteilhaft fotografiert worden wie in "Kuutamolla". Vergessen Sie Kaurismäki, wenn Sie wissen wollen, wie man in Finnland lebt. Dieser Film ist viel näher an der Wirklichkeit.

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Hinfahrt Mombasa

Menolippu Mombasaan(Premiere 2002), Regie Hannu Tuomainen. Zum besten Film des Jahres 2002 gewählt.

Trailer: >>>

Zwei 17-jährige junge Männer treffen im Krankenzimmer aufeinander, beide haben Krebs und wenig Aussicht, den 18. Geburtstag oberhalb der Grasnarbe zu verbringen. Pete hofft auf eine Karriere als Guitarrist in einer Rockband und träumt von dem Mädchen Kata, Jusa steht ganz allein in der Welt und will lieber alles auf eine Karte setzen: Das Sparbuch auf den Kopf und hin nach Mombasa am Strand von Afrika! Die beiden hauen ab aus der Klinik, doch was vor dem Abflug nach Mombasa geschieht und wo sie ihr Mombasa finden, wird hier nicht verraten! Der Titelsong des Films ist die finnische Version eines Hits von Fabio Frizzi, dazu gibt es ein Dutzend anderer Ohrwürmer auf dem Soundtrack, und viel atemberaubend schöne Sequenzen aus verschiedenen Teilen Finnlands. Besonders die Jugend liebt diesen lustig-melancholischen Film.

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Von Perlen und Säuen

Helmiä ja sikoja: Erstaufführung 29.8.2003. Buch und Regie: Perttu Leppä, Darsteller: Mikko Leppilampi, Jimi Pääkallo, Unto Helo, Timo Lavikainen, Amanda Pilke, Laura Birn, Pekka Valkeejärvi, Outi Mäenpää, Antti Virmavirta.

Von Perlen und Säuen

Wenn dieser Streifen nicht Anfang Februar beim Festival in Göteborg als bester skandinavischer Film ausgezeichnet worden wäre, hätte ich mir ihn sicher entgehen lassen. Mit bisher über 200 000 Zuschauern war zwar dieses zweite Werk des Regisseurs Leppä einer der Hits des Jahres, aber die Kritiken wurden ihm nicht gerecht. "Perlen und Säue" ist vielleicht die beste finnische Filmkomödie aller Zeiten, sogar die wildesten Szenen sind sowohl motiviert als auch lustig, ebenso typisch finnisch wie universal.

Vier Brüder um die Zwanzig und deren Vater ernähren sich mittels Verkauf von geschmuggeltem Schnaps. Der Höhepunkt des Familienlebens ist es, wenn am Samstag die deutsche Serie "Ein Fall für Zwei" beginnt, dann wird darum gewettet, wie oft diesmal Herr Matula eins in die Fresse bekommt. Der gemeinsame Raubüberfall auf einen Schnapsladen endet damit, dass die Fünf ihren Erfolg schon an Ort und Stelle feiern und die Polizei die volltrunkenen Missetäter nur noch wegtragen braucht. Väterchen muss in den Knast, und die Brüder werden von der örtlichen Mafia unter Druck gesetzt, die Schulden des Papa zu bezahlen, sonst...

Zu den vier Halbstarken gesellt sich deren 8jähriges Halbschwesterchen, dass der liebelosen Mutter davon gelaufen ist. Als die Brüder herausfinden, dass die kleine Saara sehr schön Karaoke singen kann, geht ihnen ein Licht auf, Saara wird beim großen Super-Teenager-Wettbewerb angemeldet und soll den Hauptgewinn von 20 000 Euro davontragen - damit wären alle Sorgen zu Ende! Doch Saara ist furchtbar schüchtern und will nicht vor Zuschauern singen.

Wie gelingt es den vier Brüdern, aus Saara einen Kinderstar zu trimmen und werden sie zu ihrem Geld kommen? Als die Lichter angehen und die Schlusstexte laufen, bleiben die davon eilenden Zuschauer noch einmal gebannt stehen: die letzten Repliken der Brüder beim Polizeiverhör setzen allem die Krone auf. Diesen Film muss öfter sehen, wer alle Sketche verstehen will, denn vieles ist grandios improvisiert und von hintergründigem Humor.

 

Text Copyright © 2001-2009 Übersetzungsdienst Heinrich Pesch, Finnland